Schulinternes Curriculum für Sprachbildung in den Lerngruppen für Neuzugänge (AB-Klassen)

JES: Schulinternes Curriclum Spracherwerb Deutsch
1. September 2014

 Johanna-Eck-Schule  07K07

Schulinternes Curriculum für Sprachbildung in den Lerngruppen für Neuzugänge (AB-Klassen)

  1. Grundlegende Vorbemerkungen
  2. Organisation
  3. Die Stufen der Lerngruppen entsprechend dem GER
  4. Stundentafel und unterrichtliche Inhalte
  5. Projektarbeit
  6. Übergang in die Regelklasse
  7. Integration in die Schulgemeinschaft
  8. Außerschulische Projekt- und Kooperationspartner

 

  1. Grundlegende Vorbemerkungen

 

In der Johanna-Eck-Schule werden Jugendliche unterrichtet, die als Seiteneinsteiger in der Berliner Schule beginnen. D.h. sie beginnen erst in Deutschland mit dem Erlernen der deutschen Sprache. Aufgrund der schulischen Vorerfahrung und der bereits vorhandenen Sprachkenntnisse aus dem Heimatland ist ihr Weg in der Berliner Schule sehr unterschiedlich.
In unserem AB-Modell sind wir bemüht, den individuellen Lernvoraussetzungen der einzelnen Schüler (aus Gründen der Lesefreundlichkeit wird nur die männliche Form verwendet) gerecht zu werden.

Unsere Ziele für die Schüler im AB-Bereich sind vielfältig.
a. Die deutsche Sprache möglichst schnell erlernen.
b. Sich als Teil der neuen Gemeinschaft, in der sie jetzt leben, sehen.
c. Frühzeitig in dieser Gemeinschaft nach eigenen Möglichkeiten aktiv werden.

Der Unterricht im AB-Modell wird auf drei Niveaustufen erteilt. Dabei zeigt die Lerngruppenbezeichnung A1, A2 oder B1 das Ziel der jeweiligen Kompetenzstufe entsprechend dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen, kurz GER, Diese Gruppen sind untereinander durchlässig. Der Wechsel in die nächsthöhere Stufe ist einzig kompetenzorientiert, da wir nur so der individuellen Lernentwicklung gerecht werden. Die Stufe B1 ist Voraussetzung, um erfolgreich am Unterricht der Regelklasse teilzunehmen.

  1. Organisation

 

Alle schulpflichtigen Jugendlichen ab 12 Jahren, die neu nach Deutschland kommen und nicht Deutsch sprechen (jugendliche Seiteneinsteiger/innen nicht deutscher Herkunftssprache), werden an der ISS entsprechend ihrem Sprachstand in aktuell drei verschiedenen Lerngruppen für Neuzugänge unterrichtet. Einziges Kriterium der Zuordnung zu einer Lerngruppe sind die Sprachkenntnisse in Deutsch, die in einem Aufnahme-Diagnose-Verfahren erhoben werden.
Das AB-Modell führt von der Einstiegsgruppe A1 über A2 zu der leistungsstärksten Gruppe B1 mit dem Ziel des Übergangs in eine dann neu zu bildende 9. Klasse bzw. bei jüngeren Schüler/inne/n der Integration in die 7. oder 8. Regelklasse.
In den Gruppen wird auf eine multikulturelle Zusammensetzung geachtet, da sich dies als besonders sinnvoll und förderlich für den Spracherwerb erwiesen hat.

Es ist – so wie diese Klassen in der ISS organisiert sind – von großen Unterschieden bei den Schüler/innen auszugehen hinsichtlich

  • des Alters (zwischen 12 und 16/18)
  • der Herkunft (Religion, Hautfarbe etc.)
  • der Schulbildung/der bisherigen Schulerfahrungen (Gymnasiasten, Analphabeten usw.)
  • der Lebensumstände (Wohnsituation, Familiensituation, jugendliche Alleinreisende)
  • des ausländerrechtlichen Status’ (Asylantrag,  Aussiedler etc.)
  • des persönlichen Schicksals (Kriegsflüchtling usw.).

 

Die individuelle Förderung und die Organisation der AB-Kleinklassen ermöglichen den Aufstieg der Schüler/innen in die nächsthöhere Lerngruppe bis hin zu den Regelklassen 9 und 10 ausschließlich in Abhängigkeit von der Entwicklung ihrer sprachlichen Fähigkeiten und unabhängig von Zeugnisterminen. Die Schüler/innen haben so die Möglichkeit in ihrem eigenen Lerntempo die für sie notwendigen Lernprozesse zu durchlaufen.
Der binnendifferenzierte, nach persönlichen Förderplänen gestaltete Unterricht steht dabei im Mittelpunkt.
Der Unterricht erfolgt sowohl in Anlehnung an den „Rahmenplan DaZ“ für die Berliner Schule als auch an den Europäischen Referenzrahmen für Sprachen.
Aufgrund der persönlichen Situation der Schüler/innen ist darüber hinaus eine enge Zusammenarbeit mit Jugendämtern, Vormündern, Heimen, freien Trägern und Eltern erforderlich.

 

  1. Die Stufen entsprechend dem GER

 

Entsprechend den Kompetenzen Hören, Lesen, an Gesprächen teilnehmen, zusammenhängend Sprechen und Schreiben gibt es in jeder Niveaustufe ausgewiesene Ziele.

Ziel der Stufe A1 ist es:

  • vertraute alltägliche Ausdrücke und ganz einfache Anweisungen zu verstehen.
  • einzelne vertraute Namen, Wörter und ganz einfache Sätze auf Schildern, Plakaten oder in Prospekten zu erfassen
  • sich auf einfache Art zu verständigen; auch mit Hilfen (Sprechtempo, Wiederholungen, Formulierungshilfen)
  • einfache Fragen zu sehr vertrauten Themen/Dingen zu stellen und zu beantworten
  • einfache Wendungen und Sätze, um Leute, die ich kenne, zu beschreiben und um zu beschreiben, wo ich wohne zu verwenden
  • eine einfache Postkarte, z. B. mit Feriengrüßen, zu schreiben
  • auf Formularen, z. B. in Hotels, Namen, Adresse, Nationalität usw. einzutragen

 

Ziel der Stufe A2 ist es:

  • einzelne Sätze und häufig gebrauchte Wörter wenn es um einfache Informationen zur Person, zu Familie, Einkaufen, Arbeit, zur näheren Umgebung geht, zu verstehen
  • das Wesentliche von kurzen, klaren und einfachen Durchsagen zu verstehen
  • ganz kurze einfache Texte zu lesen
  • in einfachen Alltagstexten wie Anzeigen, Prospekten, Speisekarten oder Fahrplänen konkrete, vorhersehbare Informationen aufzufinden
  • kurze einfache persönliche Briefe zu verstehen
  • sich in einfachen routinemäßigen Situationen zu verständigen, in denen es um einen unkomplizierten und direkten Austausch von Informationen über vertraute Themen und Tätigkeiten geht
  • ein sehr kurzes Kontaktgespräch zu führen
  • in einigen Sätzen und mit einfachen Mitteln meine gegenwärtige oder letzte Tätigkeit zu beschreiben
  • eine kurze, einfache Notiz oder Mitteilung und einen ganz einfachen persönlichen Brief zu schreiben, z. B. um mich für etwas zu bedanken

 

Ziel der Stufe B1 ist es:

  • die Hauptpunkte zu verstehen, wenn klare Standardsprache verwendet wird und wenn es um vertraute Dinge aus Schule, Freizeit usw. geht
  • in Radio- oder Fernsehsendungen über aktuelle Ereignisse oder Themen aus meinem Interessengebiet die Hauptinformation zu entnehmen, wenn relativ langsam und deutlich gesprochen wird
  • Texte zu verstehen, in denen vor allem häufig verwendete Alltags- oder Berufssprache vorkommt
  • in privaten Briefen Beschreibungen von Ereignissen, Gefühlen und Wünschen zu verstehen
  • Situationen zu bewältigen, denen man auf Reisen im Sprachgebiet begegnet
  • ohne Vorbereitung an Gesprächen über Themen teilzunehmen, die dem Sprecher vertraut sind oder ihn interessieren (z.B. Familie, meine Hobbys, Arbeit, Reisen, aktuelle Ereignisse)
  • in einfachen zusammenhängenden Sätzen zu sprechen, um Erfahrungen und Ereignisse, Träume, Hoffnungen oder Ziele zu beschreiben
  • die eigene Meinung und Pläne kurz zu erklären und zu begründen
  • die Handlung eines Films wiederzugeben und meine Reaktion zu beschreiben
  • einen einfachen zusammenhängenden Text über vertraute Themen zu schreiben
  • persönliche Briefe zu schreiben und darin von Erfahrungen zu erzählen und Eindrücke zu beschreiben

 

Ausführlichere Angaben sind dem GER zu entnehmen.
Um das Erreichen der sprachlichen Ziele zu ermöglichen, wird der Anteil des Deutschunterrichts zugunsten von explizit ausgewiesenem Fachunterricht allmählich verringert.
A1: Deutsch, Mathematik, Sachkunde, Sport, Musischer Kurs
A2: Deutsch, Mathematik, Sachkunde, Sport, Musischer Kurs, WAT, Physik oder Biologie (entsprechend Lehrerkapazität)
B1: Deutsch, Mathematik, Sport, Musischer Kurs, WAT/ITG, Physik, Englisch, Geschichte

 

  1. Stundentafel und unterrichtliche Inhalte

 

Die Stundentafel in den Lerngruppen für Neuzugänge (AB-Klassen) an der Johanna-Eck-Schule:

StundentafelAB

Neben fachlicher Ausrichtung steht das Trainieren unterschiedlicher Arbeitsformen und Unterrichtsmethoden im Mittelpunkt der Arbeit. So werden die Schüler in den AB-Klassen bereits an verschiedene kooperative Lernformen herangeführt und lernen die Arbeit mit Kompetenzrastern kennen. (Beispiele im Anhang)
Ein weiterer Aspekt des allmählichen Heranführens an den Besuch der Regeklasse ist die schrittweise Frequenzerhöhung in den Lerngruppen von Stufe A1 hin zu Stufe B1.

 

  1. Projektarbeit

 

Die A1 und die A2 arbeiten an einem Tag pro Woche klassen- und fächerübergreifend. Dadurch erreichen wir eine noch bessere Vernetzung der Seiteneinsteigerklassen und erleichtern den Schülern den Übergang von einer in die nächste Niveaustufe. Schüler und Lehrer kennen sich beim Aufsteigen bereits und können sich weitestgehend auf die Anforderungen des Unterrichts konzentrieren. Auf diese Weise wird der Zusammenhalt und das Wir-Gefühl der Seiteneinsteiger untereinander verstärkt.

Die Projektthemen enthalten neben dem allgemeinen Schwerpunkt Sprachentwicklung Deutsch ein Gebiet aus der Biologie, der Geografie oder der Physik. Damit werden die Schüler langsam und in zu bewältigendem Umfang an Fachsprache herangeführt.
Projektthemen sind:

  • Ich in meiner neuen Schule
  • Wir in Berlin / Berlin in Deutschland
  • Gesunde Lebensweise
  • Leben mit Haustieren
  • Wasser – Grundlage unseres Lebens

 

Die Themen des Projektangebots sollen mit Bezug zu den Rahmenplänen der Jahrgänge 7 und 8 weiter ausgebaut werden.

 

  1. Übergang in die Regelkasse

 

Vor dem Übergang in die Regelklasse müssen alle Schüler einen standardisierten Sprachtest absolvieren. Als DSD-Schule nutzen wir seit dem Schuljahr 2013/14 die zentralen Prüfungen der ZfA.
Besonders befähigte Schüler der Lerngruppe B1 sollen die Möglichkeit erhalten, in Schnupperstunden/-wochen erste Erfahrungen im Regelunterricht zu machen.
Aufgrund des Alters und um den Übergang zu erleichtern sowie eine optimale Förderung auch im Regelunterricht zu erzielen, wechseln die meisten Schüler aus dem AB-Modell in eine neu eingerichtete Regelkasse der Klassenstufe 9. In dieser kann eine integrative Sprachförderung besser gewährleistet werden. Die in dieser Klasse unterrichtenden Kollegen sind in stärkerem Maß für Spracharbeit sensibilisiert. Im Fachunterricht, besonders Geschichte, wird die Schulerfahrung aus dem Heimatland besonders beachtet. Jüngere Schüler sollen in Klassen der Jahrgänge 7 bzw. 8 der Johanna-Eck-Schule integriert werden. Dazu ist es notwendig, dass in diesen Plätze für unsere Schüler aus den Lerngruppen für Neuzugänge freigehalten werden. Nur so ist eine pädagogisch sinnvolle Integration in den Regelschulbetrieb gegeben.

Für die Schüler aus den Lerngruppen für Neuzugänge wird es eine schulinterne Übergangsbegleitung geben. D.h. sie erhalten zusätzlich zum Stunden- und Kursangebot ein speziell auf sie zugeschnittenes Förderangebot. Dieses ist für die Schüler der Klassen 9.5 und 10.5 (mit Jahrgang 9 neueingerichtete Regelklasse) verpflichtend und wird von den in der schuleigenen Lernwerkstatt eingesetzten Lehrkräften angeboten. Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit Texten aus dem Fachunterricht und Englisch.

 

  1. Integration in die Schulgemeinschaft

 

Um eine möglichst schnelle Einbindung in die Schulgemeinschaft zu erlangen, werden die Schüler aus dem AB-Modell von Beginn an motiviert, im Anschluss an ihren Unterrichtstag an den AGs (Sport, Musik, Kunst…) teilzunehmen. So können sie Schüler aus den Regelklassen kennenlernen und zwanglos die Sprache trainieren. Die Angst sprachlich nicht mitzuhalten zu können, wird verringert und ihre eigenen Stärken werden ihnen dabei bewusst und damit auch stärker ausgeschöpft.

Die Teilnahme an den Quartalskursen trägt dazu bei, Sozialkompetenzen zu stärken bzw. zu trainieren und Verantwortungsübernahme für die Schulgemeinschaft zu entwickeln.

 

  1. Außerschulische Projekt- und Kooperationspartner

 

Um eine Kontinuität des Lernens zu ermöglichen und die Schule bereits für die Schüler in den AB-Klassen nach außen hin zu öffnen, arbeiten wir fest mit unterschiedlichen Partnern zusammen.

In den Klassen sind ausgebildete Mercator-Studenten eingesetzt. Sie arbeiten regelmäßig mit einzelnen Schülern oder Kleingruppen. Sie sind außerdem das Bindeglied zur Gelben Villa.
In der Gelben Villa nehmen die neu zugewanderten Schüler die vielfältigen Angebote wahr. Das sind zum einen die Sprachcamps in den Ferien. Zum anderen sind es die jahresbegleitenden Coaching-Angebote für die 9. und 10. Klassen, um sich optimal auf den angestrebten Schulabschluss vorbereiten zu können.

Ein weiterer Projektpartner ist das Jugend- und Kulturzentrum Schlesische 27. Einmal jährlich nimmt die B1 gemeinsam mit einer Brandenburger Gemeinschaftsschule an einem einwöchigen Kooperationsseminar teil. Hier steht Sprachlernen im künstlerischen Kontext im Fokus.
Darüber hinaus entstehen oftmals weiterführende Workshops mit der Brandenburger Schule oder auch nur für die Schüler der Johanna-Eck-Schule.

Daneben gibt es immer wieder temporäre Kooperationspartner, um die Schüler in den AB-Klassen persönlich zu stärken. Im Mittelpunkt steht hier das Bewusstmachen der eigenen Wurzeln und das sich daraus ergebende Potenzial für sich und die neue Umgebung/Schule. (z.B. mit dem Kollektiv migrantas)

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