Konzept des Streitschlichtens

Konzept des Streitschlichtens an der Johanna-Eck-Schule

An der Werner-Stephan- Schule gab es ein überaus erfolgreiches Modell der Konfliktregulierung und des Streitschlichtens, welches ein fester Bestandteil der Schulkultur war und von allen mitgetragen wurde. An der Dag-Hammarskjöld-Oberschule wurden Schüler/innen zu Konfliktlotsen ausgebildet.
Die Johanna-Eck-Schule, aus der Fusion von Werner-Stephan-Schule und Dag-Hammerskjöld-Oberschule entstanden, hat dieses Konzept auf Wunsch und Beschluss der Schülervertretungen beider Schulen übernommen. Streitschlichter sollen bei akuten Konflikten eingreifen und Schlichtungsgespräche führen.

Schüler/innen der Fusionsschulen am Standort Ringstraße bilden nach einem gemeinsamen Training im Helmut Gollwitzer Haus in Wünsdorf ein neues Team von Vertrauensschüler/innen/n. Zugleich sind sie auch Expert/innen/en der Eingangsphase und der nachmittags stattfindenden Quartalskurse.
Die ISS bietet neue Chancen für eine neue Schule, in der sich alle wohl fühlen können mit dem Hauptlernzielen „Menschlichkeit und Selbstwirksamkeitsüberzeugung“. Dabei sollte möglichst groß und nicht klein gedacht werden. Daraus ergeben sich die oben genannten weitgesteckten Ziele. Sowohl die Konzepte der Dag-Hammarskjöld-Oberschule wie auch der Werner-Stephan-Schule sollen erhalten bleiben und sich gegenseitig ergänzen.
Bei der Streitschlichterausbildung geht es nicht nur darum Interventions- und  Mediationstechniken zu erlernen, sondern sich mit der eigenen Person und den anderen auseinander zu setzen (Janusköpfigkeit und Verliererverhalten, Engagement für die Mitschüler/innen, Verantwortung für ein positives Schulklima, Kommunikation). Die Beziehungsebene wird entwickelt. Aus abstrakten Personen werden konkrete Menschen, die Freundschaften miteinander schließen, Vertrauen und kohärentes Verhalten erlernen.
Bereits nach einem Monat im neuen Schuljahr wird deutlich, welche wichtige Rolle die Vertrauensschüler/innen in der neuen ISS spielen. Der neue 7. Jahrgang ist sehr heterogen zusammengesetzt. Diese heterogene Schülerschaft muss sich erst finden, um eine gute Klassengemeinschaft zu werden, die geprägt ist von Toleranz und gegenseitiger Akzeptanz.
In diesem Prozess leisten die Vertrauensschüler/innen einen herausragenden Beitrag. Sie führen zahlreiche Schlichtungsgespräche und übernehmen Patenschaften für Problemschüler/innen und solche, die gefährdet sind in eine Außenseiterposition zu geraten. Wenn es gelingt diesen steinigen Weg der Integration zu bewältigen, so fungieren die Vertrauensschüler/innen dabei als Wegweiser und Orientierungspunkte. Ihr Engagement und ihre Arbeit kann gar nicht hoch genug geschätzt werden.
Das Streitschlichtungskonzept besteht aus fünf mehrtägigen Trainingseinheiten, die von den Vertrauenslehrer/innen/n mit den Schüler/innen/n in der evangelischen Bildungsstätte „Helmut Gollwitzer Haus“ in Wünsdorf durchgeführt werden.

In Training 1 erlernen die Schüler das Eingreifen bei akuten Konflikten (Intervention)
In Training 2 werden Elemente aus Training 1 wiederholt ergänzt mit Übungen zum Deeskalieren. Außerdem erfolgt die Konfrontation mit Problemelementen der eigenen Persönlichkeit.
In Training 3 wird das Schlichtungsgespräch trainiert. Schülerexperten leiten einzelne Trainingsphasen.
In Training 4 erfolgt die Ausbildung der Vertrauensschüler/innen, die Patenschaften für die 7. Klassen und Problemschüler/innen übernehmen. Außerdem wird das Führen der Schlichtungsgespräche wiederholt.
Training 5 beinhaltet das Training für die Klassenmediation und wird samstags an der Schule trainiert.

Im Interventionstraining lernen die Schüler/innen das Eingreifen bei akuten Konflikten (Training 1).

Neben praktischen Übungselementen findet auch auf der theoretischen Ebene das Analysieren von Konflikten statt.

Das Deeskalationstraining (2. und 3. Training)

Im Deeskalationstraining lernen die Schüler/innen verbal und mit Gesten und Mimik so auf die Streitenden einzuwirken, dass sich diese beruhigen und zunächst den Streit nicht fortsetzen. Hier geht es also auch darum vor dem Streithöhepunkt einzuschreiten.

Die Schüler/innen haben ein genaues Gespür dafür, dass es bei vielen Konflikten am Ende für den Streitenden auch darum geht, das Gesicht nicht zu verlieren. Dafür müssen die richtigen Worte gewählt werden oder aber der Streitschlichter hat eine solche Autorität, dass der Abbruch des Streites nicht als Feigheit angesehen wird.
Solche Autorität genießen vor allem die Vertrauensschüler der 10. Klassen.

Zur Deeskalation gehört auch das Einwirken auf die anheizenden Zuschauer.
Meist sind diese hauptverantwortlich für den Ausbruch einer Schlägerei.
Die Streitschlichter beeinflussen auch verbal die Zuschauer, indem sie diese auffordern zu helfen den Streit zu beenden und nicht anzuheizen. Hier ergibt sich eine Verbindung zum Versprechen an die Schulgemeinschaft, den Regeln des Zusammenlebens an der Schule.

Vertrauensschülertraining (Patenschaft für die 7. Klassen) und
Training des Schlichtungsgesprächs (3. und 4. Training)

Dieses Seminar findet zu Beginn des jeweiligen Schuljahres statt. Es dient vor allem der Vorbereitung der Vertrauensschüler/innen (Paten der 7. Klassen) für ihre Tätigkeit und dem Training des Schlichtungsgespräches.

Das Schlichtungsgespräch ist der anspruchvollste Teil des Streitschlichtertrainings Dabei sollen Lösungen gefunden werden, mit denen die Streitparteien zufrieden sind und die ein erneutes Ausbrechen des Streites verhindern.
Zunächst müssen die Schlichter (mindestens zwei) im Vorgespräch klären, ob die Streiter zu einer Schlichtung des Streites bereit sind. Dieses Angebot kann erst nach einem gewissen zeitlichen Abstand zur Akutphase des Konfliktes gemacht werden, damit sich die Streitenden überhaupt darauf einlassen können.
Die Schlichter verschaffen sich im Vorgespräch auch Informationen über den Konflikt aus der Sicht der jeweiligen Partei. (Wann und wo ist es passiert? Wer war dabei? Was ist passiert?).

Es seien hier noch einmal kurz die einzelnen Phasen der Schlichtung zusammengefasst.

Anberaumen eines Termins für das Gespräch

Vertraut machen mit den Regeln (alles wird vertraulich behandelt, man unterbricht sich nicht, jeder hat das gleiche Rederecht, Beleidigungen haben zu unterbleiben, die Schlichter sind absolut neutral, die Schuldfrage am Konflikt ist nicht Gegenstand des Gespräches, sondern was passiert ist, eine Lösung des Konflikts soll für alle befriedigend sein, keiner soll sich als Verlierer fühlen, die Lösung wird in einem Vertrag von den Parteien schriftlich fixiert, die Einhaltung dieses Vertrages wird an Folgeterminen von den Schlichtern überprüft)
Beantworten der Frage: Was ist passiert (Spinnwebanalyse)?
Jeder Streitende schildert seine Version des Konfliktes. Nur der Streitschlichter darf dabei unterbrechen, um das Gesagte zu wiederholen und so den Streitenden zu spiegeln.
Beantworten der Frage. Wie hast Du Dich gefühlt? Wie hättest Du Dich an seiner Stelle gefühlt?
Bei allen Konflikten ist sehr viel Emotionalität vorhanden, die geklärt werden sollte, wenn das Gespräch zum Erfolg führen soll. Wichtig ist dabei nicht nur, dass der Streitende seine eigenen Gefühle verbalisiert und gespiegelt bekommt, sondern ihm auch die Möglichkeit gegeben wird sich in die Gefühlswelt des Kontrahenten hinein zu versetzen. Bei den meisten Konflikten wird spätestens hier klar, dass der Ursprung häufig ein Missverständnis war, woraus gefühlsmäßig sich Projektionen auf den anderen entwickelten. Sind diese Missverständnisse geklärt, ist der wichtigste Schritt zur Beilegung des Konfliktes getan.

Feststellen der Bereitschaft zur Beilegung des Konfliktes.

Aufschreiben von Lösungsvorschlägen der Konfliktparteien.
Vereinheitlichung der Lösungsvorschläge in einem gemeinsamen Vertrag.

Erneutes Treffen der Schlichter mit den Parteien, um die Einhaltung des Vertrages zu prüfen.

Klassenmediation (Training 5)
Die Klassenmediation wurde als weiterer notwendiger Baustein in das Konzept des Streitschlichtens aufgenommen. Für die Klassenmediation ist es elementar, dass die Vertrauensschüler/innen die wichtigsten Moderationstechniken beherrschen. Dabei ist die Ausbildung in den Seminaren der Schülervertretung sehr hilfreich.
Besondere Bedeutung kommt der Benzaftermethode zu, die aus dem israelischen Kibbuz entstammt. Dieser Methode liegt ein komplexeres Demokratieverständnis zugrunde, welches keinen durch Mehrheitsbeschlüsse „aus dem Boot rauskippt“.
Abstimmungen versucht man bei dieser Methode zu vermeiden. Es werden zunächst die Probleme aufgezeigt, dann werden die Interessen der Beteiligten gesammelt. Dann wird versucht ein Konsens zu finden, bei dem niemand benachteiligt wird.