Guardian Angels

G-A2

Guardian Angels (Schutzengel):
Pädagogisches Konzept zur Persönlichkeitsentwicklung und Verantwortungsübernahme an der Johanna-Eck-Sekundarschule

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 Pädagogische Intentionen
  • Das Konzept erlaubt die frühe Einbindung der SuS in Verantwortung und fördert Prozesse der Selbstwirksamkeit
  • Es leistet einen aktiven Beitrag für ein besseres Schul- und Klassenklima.
  • Es dient der Persönlichkeitsentwicklung und Veränderung, indem positive Eigenschaften gestärkt werden und negative besser kontrolliert werden. Minusmenschen sollen sich zu Plusmenschen entwickeln und die Janusköpfigkeit kontrolliert werden.
  • Es fördert soziale Kompetenzen und verhilft zu einer persönlichen positiven Ausstrahlung.
  • Es stärkt den Teamgeist.
  • Wichtige Aufgabenbereiche in der Schule werden durch Schülerpartizipation besser erfüllt.
    (Schüleraufsichten, Gestaltung der Schule, Dienstleistungen im Schülerbereich)
  • Es leistet einen Beitrag zur Inklusion, da menschliche Qualitäten gefördert werden und unterschiedliche intellektuelle Fähigkeiten nicht selektiv wirken.
  • Es ergänzt die bisherigen Konzepte durch den Schwerpunkt der Persönlichkeitsentwicklung

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1. Begriffsdefinition und Begründung der Namenswahl
Guardian Angel bedeutet Schutzengel. Guardian Angels sind entstanden aus einer Bürgerinitiative in New York. Sie wurden bekannt durch ihr Engagement und ihre Tätigkeit in der New Yorker U-Bahn zu einem Zeitpunkt als es dort viele Gewalttaten gab in Form von Überfällen, räuberischer Erpressung, Vergewaltigung oder Mord. Zu Erkennen an den roten Baretts, roten Bomberjacken und weißen Hemden sorgten sie für Sicherheit in den U-Bahnzügen. Ihr Engagement war freiwillig und ihre bloße Anwesenheit genügte, um ein gewisses Maß an Gewaltfreiheit zu garantieren. Vor allem vermittelten sie ein Gefühl von Sicherheit bei den Benutzern der öffentlichen Verkehrsmittel, wofür diese ihnen sehr dankbar waren. In Deutschland entstanden ähnliche Initiativen. Auch in Berlin versuchte man die Guardian Angels zu etablieren. Es gab dabei allerdings auch heftige Kritik. Sie wurden mit einer unerwünschten Hilfspolizeitruppe verglichen, die angeblich zur Selbstjustiz aufrief.
Bezogen auf die Johann Eck Schule werden solche Parallelitäten vermieden.
Der Name wurde gewählt , weil er sehr plakativ ist und Anknüpfungspunkte an die Vorstellungswelt der Schüler bietet. Jeder weiß, was ein Schutzengel ist und welche Tätigkeit er ausübt selbst dann , wenn kein religiöses Hintergrundwissen vorhanden ist. Der englische Begriff „Guardian Angel“ ist Schüler nahe und wurde von ihnen sofort angenommen. In dem von den Schülern entwickelten Emblem des angedeuteten Engels mit den dynamischen Flügeln wird dies deutlich.
Es geht aber nicht nur darum, die Rolle des Schutzengels für andere zu übernehmen, sondern für sich selber auch Schutzengel zu sein, indem man sich selbst nicht in Situationen hineinbegibt, die eines Guardian Angels unwürdig und unangemessen sind.

2. Pädagogische Vorüberlegungen zum Konzept des Guardian Angel
Die Guardian Angels fügen sich in die bestehenden Konzepte der Schülerpartizipation an der Johann-Eck-Schule ein und bilden eine sinnvolle und notwendige Ergänzung.
Seit Jahrzehnten gibt es ein sehr erfolgreiches gut funktionierendes Streitschlichter- Vertrauensschüler- und Schülerexpertenprojekt in Verbindung mit dem von den Schülern jährlich ausgearbeiteten Schulversprechen.
Darin übernehmen Schüler des neunten und zehnten Jahrgangs Verantwortung in der Schulgemeinschaft. Sie schlichten Streit, führen Schlichtungsgespräche, übernehmen Expertentätigkeit in der Eingangsphase und den Kursen zum sozialen Lernen in der 7. und 8. Jahrgangsstufe.
Außerdem übernehmen sie Aufsichten und überwachen die Einhaltung des Schulversprechens in der Krisenkommission und dem Schülerrat. Sie übernehmen auch Patenschaften für Schüler des 7. Jahrgangs.
Die 7. und 8. Klassen durchlaufen zwar die Ausbildung zu Streitschlichtern in den Kursen Kommunikation und Konfliktbewältigung. Ansonsten gab es für sie kaum die Möglichkeit der Verantwortungsübernahme. Gerade im neuen 7. Jahrgang ist jedoch das Interesse groß sich verstärkt in der Schulgemeinschaft zu engagieren. Der 7. und 8. Jahrgang war aber bisher mehr in der Empfänger- als in der Geberrolle.
Das kann man als blinden Fleck in den Partizipationskonzepten des JES bezeichnen.
Guardian Angels können aber auch Schüler aus 7 und 8 werden, sofern sie an dem Trainingsprogramm teilnehmen und gewillt sind die Aufgaben zu übernehmen.
Bei Nachfragen in den Klassen war die Resonanz überwältigend.
Es ist deshalb davon auszugehen, dass sich das Projekt fest in das Programm der JES integrieren könnte.

3. Der Einfluss des Guardian Angels Konzeptes auf die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler
Die Klassen in der JES sind sehr heterogen zusammengesetzt. Die „wohlerzogenen“ Schüler bilden eher eine Minderheit im Verhältnis zu den problematischen oder schwer problematischen Schülern. An dieser Situation wird sich kaum etwas ändern, da wir über keine gymnasiale Oberstufe verfügen.
Wir werden deshalb immer stark Erziehungs- und Integrationsaufgaben erfüllen müssen.
Das Konzept der Guardian Angels ist nicht an bestimmte intellektuelle Fähigkeiten der Schüler gebunden. Alle Schüler können dazu ausgebildet werden.
Es zielt aber gerade auf Schüler ab, die verstärkt von der Januskopfproblematik betroffen sind. Der eine Kopf beinhaltet positive Eigenschaften und Verhaltensweisen und der andere die negativen.
Überlässt man den Januskopf sich selbst, so ist damit zu rechnen, dass der „Bengel“ den „Engel“ dominiert und wahrscheinlich seine Mitschüler negativ infiziert.
Im Training zum Guardian Angel werden deshalb die Eigenschaften des positiven Menschen oder Schüler bezogen auf Charakter und Handlungen herausgearbeitet.
Im ersten Training zum Guardian Angel in einer Bildungsstätte in Wünsdorf formulierten die Schüler in ihren Arbeitsgruppen die folgenden Attribute des Guardian Angels: Freundlichkeit, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit, Humor, Einfühlungsvermögen, Zuverlässigkeit, Fleiß, Respekt, Vertrauen, Vorbild.
Diese Eigenschaften prägen das Idealbild oder Leitbild des Guardian Angels und die Schüler waren durchaus in der Lage einzelne Persönlichkeiten aus der Gemeinschaft zu benennen, die über viele dieser positiven Tugenden verfügen und von denen deshalb auch über eine starke positive Ausstrahlung ausgeht. Solche Schüler sind kaum in Konflikte involviert und man ist gerne mit ihnen zusammen. Aus Sicht des Pädagogen möchte man natürlich am liebsten alle Schüler mit solchen Tugenden aus der Schule entlassen. Dazu müssen jedoch die schwierigen Personen gelernt haben, die Janusköpfigkeit zu kontrollieren. Die Rolle des Schutzengels fordert von ihnen die Kontrolle ihrer Negativität. Sie sollen nicht nur Schutzengel für die anderen sondern auch für sich selbst sein, indem sie sich aktiv zu dem Leitbild und den Aufgaben der Guardian Angels bekennen.
Negative Handlungen wie Beleidigungen, Provokationen und Anwendung von Gewalt sind „No Goes“ für den Angel. Auch das ist Bestandteil der Ausbildung. Der Guardian Angel lernt mit Hilfe seines Verstandes und einer positiven Grundhaltung seine negativen Emotionen zu kontrollieren.
Es ist klar, dass man einen schwierigen Schüler nicht sofort von einem Saulus in einen Paulus verwandeln kann. Veränderungen vollziehen sich nach und nach durch die Übernahmen von Verantwortung, das gegenseitige sich Spiegeln er Angels und durch die stetige Erinnerung an das Versprechen der Guardian Angels.
Wichtig ist dabei auch , dass der Angel die Wirksamkeit seiner Handlungen und seines Handelns erfährt und als positiv erlebt.

4. Elemente des Trainings zum Guardian Angel

Wahl des Ortes Es ist wichtig, das Training außerhalb der Schule in der evangelischen Bildungsstätte „Helmut Gollwitzer Haus in Wünsdorf durchzuführen. Dort führen wir auch die Trainings zum Vertrauensschüler durch.
Die Guardian Angels bilden eine Gemeinschaft. Dazu gehört, dass man sich gut kennt und eine positive Beziehungsebene zueinander entwickelt. In den drei Trainingstagen (von Mittwoch bis Freitag) in Wünsdorf ist daher auch neben dem Seminar die gemeinsam verbrachte Freizeit von elementarer Bedeutung. Seminar und Freizeit sind eng miteinander verbunden. In der Freizeit wird auf höfliches, respektvolles und freundliches Verhalten geachtet.

Mein heimlicher Freund
Während der gesamten Zeit wird das Spiel „mein heimlicher Freund“ durchgeführt. Die Namen der Gruppenteilnehmer werden auf Zettel geschrieben. Es zieht dann jeder einzelne einen Namen, den er nicht verraten darf. N der Folgezeit geht es darum der gezogenen Person viel Freundlichkeit, Lob. Unterstützung etc. zukommen zulassen. Man sollte aber sich aber auch allen anderen gegenüber so verhalten, so dass alle glauben, man wäre ihr heimlicher Freund. Am Ende des Seminars erfolgt dann die Auflösung. Jeder sagt dann, wer er persönliche Freund war und woran er das bemerkt hat. Die Trefferquote war bei diesem Training sehr hoch.

Der positive Mensch/Schüler: Eigenschaften und Handlungen
Ein Schutzengel muss in seiner Persönlichkeit positive Eigenschaften stärken und entwickeln. Sie sollen sein Verhalten dominieren. Negative Eigenschaften sollen besser kontrolliert werden und negative Handlungen nach und nach unterlassen werden und sogar tabuisiert werden.
Der Guardian Angel verhält sich höflich, freundlich, herzlich, respektvoll und tolerant etc. .
„No-Goes“in seinem Verhalten sind Aggressionen, Beleidigungen und Provokationen.
In der ersten Arbeitsphase „Der positive Mensch“ (Anlage 1 )
erarbeiteten die Schüler eine Vielzahl von Eigenschaften, die einen positiven Menschen ausmachen.
Daraus wurden die wichtigsten als Persönlichkeitsprofil und Leitbild des Guardian Angels herausgearbeitet (Anlage 2)
Besonders zu beachten sind die Punkte „Herzlichkeit“ und „Positive Ausstrahlung“.
Diese beiden Eigenschaften werden vor allem beliebten Schülern wie zum Beispiel den Schülersprechern zugeschrieben.
Ein Guardian Angel soll eine Person sein, die eine starke positive Ausstrahlung hat, so dass, allein schon ihre Anwesenheit als sehr angenehm und erfreulich empfunden wird.
Bei den Handlungen des positiven Menschen geht es zunächst darum einen Beitrag zu einem guten Klima zu leisten.
Das beginnt am Morgen mit einer freundlichen Begrüßung. Die Schüler, die sich näher kennen, begrüßen sich mit einer Umarmung (französische, Türkisch-arabische Begrüßung). Sagt man nur „Guten Morgen“, soll in jedem Fall der Namen dazu genannt werden, weil dies ein Zeichen größerer Aufmerksamkeit ist und eine positive Beziehungsebene zum Begrüßten verstärkt. Man schenkt sich gegenseitig Beachtung und gibt sich damit Bedeutung. Häufig werden solche Rituale in Schulen vernachlässigt, weil man sie nicht für so wichtig hält. Das setzt sich dann leicht im ganzen Schulalltag fort und führt zu einem Gefühl und einer Haltung von gegenseitigem Desinteresse.
Daraus kann sich leicht ein Gefühl von Missachtung entwickeln, während eine freundliche, persönliche Begrüßung immer als Wertschätzung empfunden wird.
Der Guardian Angel begrüßt also seine Mitschüler und Lehrer entsprechend freundlich mit einem Lächeln und legt auch Wert auf eine entsprechende Reaktion. Damit wird die Basis für eine freundliche Grundhaltung und für einen freundlichen und respektvollen Umgang im Verlauf des weiteren Schultages gelegt.
Aus der Begrüßung kann sich auch ein kleiner Small Talk entwickeln, wenn der Guardian Angel zum Beispiel nach dem Befinden des anderen fragt. Im neurolinguistischen Programmieren bezeichnet man diesen Vorgang als Kalibrieren. Es wird eine gemeinsame Basis für weiterführende Kommunikationsprozesse geschaffen und eine positive Beziehungsebene der Kommunizierenden gestärkt.
Es wird während des gesamten Schultages von den Angels erwartet, dass sie mit ihren Mitschülern kommunizieren vor Unterrichtsbeginn, in den Pausen und im Mittagsband. Das schafft Nähe, Verständnis und Vertrauen als Basis für ein

Wohlfühlklima
Für die Angels gilt: „ Reden ist Gold und Schweigen ist dumm!“

Umgang mit Provokationen
Provokationen sind eine Hauptquelle von aggressiven Konflikten in der Schule.
Zum Anforderungsprofil des Angels gehört sich nicht provozieren zu lassen.
Für viele Schüler ergibt sich daraus ein großes Problem,denn wird die Familienehre beleidigt, brechen in der Regel alle Dämme und es kommt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.
Die Selbstkontrolle stellt eine der schwierigsten Aufgaben dar.
Hier können am ehesten Mitschüler als Vorbilder fungieren.
Denn es gibt in jeder Klasse auch immer Personen, die nicht in Konflikte involviert sind und die sich nicht provozieren lassen und auch nicht provoziert werden. Diese Schüler verfügen in der Regel über Gelassenheit, eine freundliche Ausstrahlung und eine hohe Akzeptanz und Respekt bei ihren Mitschülern. In der Grundstruktur ihrer Persönlichkeit sind sie bereits Guardian Angels. Ihnen machen Provokationen nichts aus, weil sie sie nicht in ihrem Kopf festhalten und in aggressive Emotionen umwandeln, sondern sie durch sich durchlassen.
Wird man als Hurensohn beschimpft, so antwortet man: „Der Hurensohn geht durch mich durch. Du kannst mich nicht beleidigen und ich lasse mich nicht provozieren.“
Die Angels sollen lernen über den Dingen zu stehen. Dazu benötigen sie ein Rollenverständnis und Selbstwertgefühl, das sie über den Dingen stehen lässt, ohne dabei überheblich oder arrogant zu werden. Dazu reicht ein Training nicht aus. In Supervisionssitzungen muss darauf immer wieder eingegangen werden.
Der positive Mensch benötigt positive Erlebnisse und Erfahrungen, um sein Leben optimistisch gestalten zu können. Auch das immunisiert gegen Beleidigungen und Provokationen.

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In der Gruppenarbeit erarbeiteten die Schüler selbst unterschiedliche Verhaltensweisen im Umgang mit Provokationen. Dabei nannten sie: Ignorieren, klüger sein als der andere, nicht Zuhören , Weggehen, ein Plusmensch sein, Blickkontakt vermeiden, an etwas Positives denken etc.. Es wurde gesagt, dass eine starke Persönlichkeit es nicht nötig hat auf Provokationen zu reagieren. Auch deshalb wurden und werden weitere Bausteine zur Stärkung der Persönlichkeit in das Training eingefügt.

Quellen der Kraft und positive Erlebnisse
Jeder Mensch benötigt in seinem Alltag Quellen der Kraft, um mit schwierigen Situationen klar zu kommen oder einfach nur zum Regenerieren oder Stressabbau. Bezogen auf die Guardian Angels dienen diese Quellen der Persönlichkeitsstärkung.
Häufig vergisst man, über welche Quellen der Kraft man eigentlich ständig verfügt.
Im Training dient eine Phantasiereise dazu, sich dieser Ressourcen wieder bewusst zu werden.
Anfangs haben die Schüler Schwierigkeiten sich darauf einzulassen. Es dauert bis man einen Zustand von Ruhe und Entspannung erreicht hat. Dazu gehören eine entspannte Sitzhaltung, geschlossene Augen, tiefes ruhiges Atmen und leise Entspannungsmusik im Hintergrund.
Der Leiter führt dann die Schüler durch ein Traumhaus mit unterschiedlichen Zimmern. Der Inhalt der Zimmer steht immer auf der Tür.
„Auf der ersten Tür steht des Wort „Musik“. Ich öffne behutsam die Tür und betrete den Raum. Ich schließe die Tür hinter mir und sehe mich in dem Raum um. Darin befindet sich alles, was Musik für mich bedeutet. Ich lasse mir Zeit zum Verweilen. Am Schluss sehe ich mich nochmal um, gehe zur Tür, öffne die Tür, verlasse den Raum und schließe die Tür behutsam hinter mir.
Ich gehe einen Gang entlang und komme zur nächsten Tür. Darauf steht „Freunde“.
Ich öffne die Tür, betrete den Raum und schließe die Tür behutsam hinter mir. Ich sehe mich in dem Raum um. Da sind meine Freunde. Ich gehen auf sie zu und begrüße sie freundlich. Ich rede mit ihnen. Vielleicht sage ich ihnen Dinge, die ich ihnen schon immer einmal sagen wollte, wie wichtig sie mir sind.
Ich weiß, was Freundschaft für mich bedeutet. Am Schluss gehe ich zur Tür, sehe mich nochmal um, öffne die Tür, verlasse den Raum und schließe die Tür behutsam hinter mir.“
Weitere Zimmer können die Themen „Hobbies“, „Natur“, „Familie „ beinhalten. Bei der Familie ist aber Vorsicht geboten. Man sollte sich sicher sein, dass damit nicht überwiegend unangenehme oder schlimme Erfahrungen verbunden sind, was bei unseren Schüler durchaus sein kann.
Das letzte Zimmer gehört immer dem eigenen „ich“.
„Ich gehe zur nächsten Tür. Darauf steht auf einer Tafel mit goldenen Buchstaben „Ich“. In Gedanken schreibe ich meinen Namen auf die Tafel. Ich öffne behutsam die Tür, betrete den Raum und schließe die Tür hinter mir. Ich sehe mich um. In dm Raum befindet sich alles was mich ausmacht. In der Ecke steht eine Truhe aus Holz. Ich gehe hin und klappe den Deckel auf. Ich schaue hinein. Darin befindet sich alles, was mich ausmacht, mein Lachen, meine Freundlichkeit, meine Talente und Stärken. Ich sehe mir diese Schätze genau an.
Dann schließe ich die Truhe behutsam wieder. In der Mitte des Raumes steht ein großer Spiegel. Ich schaue in den Spiegel und sehe mich selbst. Ich lächele mich an und bin sehr zufrieden, mit dem was ich da sehe. Am Schluss gehe ich zur Tür, öffne sie, verbeuge mich in den Raum, verlasse ihn und schließe die Tür behutsam hinter mir.
Ich gehe aus dem Haus und fühle neue Kraft, Stärke und Zuversicht.“
Bei dieser Phantasiereise sind Variationen möglich. Man kann sie etwas länger oder kürzer gestalten je nach Zusammensetzung der Gruppe.
Ein weiterer Baustein für eine positive Einstellung ist das bewusste Erinnern schöner Ereignisse. Auch dazu kann man die Technik der Phantasiereise verwenden. Genauso kann man aber auch das Ereignis zeichnen lassen. Wichtig sind konkrete Bilder, die man immer wieder ins Gedächtnis zurückrufen kann. Mit diesen Bildern werden dann auch wieder die positiven Gefühle erweckt, die damit verbunden waren. Dabei kann es sich auch um kleinere Begebenheiten handeln wie etwa ein Sonnenuntergang oder ein Ferienerlebnis.
Wichtig ist das eigene Erleben der Situation. Die Schüler nennen als positives Ereignis oft die Geburt eines Bruders oder einer Schwester. Sie waren aber bei der Geburt selbst nicht dabei. Dann sollten sie das Ereignis visualisieren, als sie das Baby zum ersten Mal auf dem Arm hielten, damit ein konkretes Bild entsteht, welches dann als positiver Anker verwendet werden kann.
Leider gibt es eine große Anzahl von Schülern, denen dazu nichts einfällt oder die glauben, dass sie noch nichts Positives erlebt haben. Hier müssen die entsprechenden Hilfen oder Impulse durch Nachfragen gegeben werden. Der Grillabend in Wünsdorf kann z. B. Als positives Ereignis im Gedächtnis haften bleiben. In den Supervisionssitzungen sollte immer wieder die Frage nach positiven Erlebnissen gestellt werden.
Leider bleiben negative Ereignisse stärker in der Erinnerung lebendig. Schöne Dinge werden zu oft als Selbstverständlichkeit verkleinert. Der Guardian Angel lernt deren Wertschätzung.

 Die Positive Gruppe
In einer weiteren Trainingsphase geht es darum das Profil einer positiven Gruppe zu entwickeln. In einem Bild soll ausgedrückt werden, was eine positive Gruppe ausmacht. Jeder soll dabei seinen Anteil im Bild wiederfinden.

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Die Ergebnisse werden dann im Plenum präsentiert, wobei die anderen Schüler erläutern sollen, was sie in dem Bild erkennen, bevor die Gruppe es interpretiert.

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Ein beeindruckendes Ergebnis war ein Bild, in welchem eine Gruppe von Schülern einem Außenseiter eine große Hand reicht, um ihn in die Gemeinschaft zu integrieren. (Bild oben)

Der Teamgedanke und Teamgeist sind elementar für das Auftreten der Guardian Angels in der Schulgemeinschaft. Jeder Einzelne soll stark sein, aber gemeinsam ist man um ein Vielfaches stärker. Man kann dann der eigenen Rolle besser gerecht werden und die Aufgaben leichter bewältigen.
Außerdem sollen die Gruppenmitglieder sich gegenseitig helfen und stärken.
Geht es darum einen akuten Streit zu schlichten, sollte man mit möglichst vielen Guardian Angels intervenieren, um zum Beispiel aggressivem Verhalten Einhalt zu gebieten. Dabei ist das Handeln in der Gruppe viel wirksamer und sicherer, als wenn eine Einzelperson sich einmischt.
Jeder Guardian Angel ist auch Streitschlichter. Die Interventionstechniken erlernen alle Schüler des 7. Jahrgangs im Quartalskurs „Kommunikation und Konfliktbewältigung“.
Die Anwendung dieser Techniken wird beim Training in Wünsdorf noch einmal wiederholt.
Details werden hier nicht genannt. Sie können aber im Konzept des Streitschlichtens an der Johann-Eck-Schule nachgelesen werden.

Komplimente und Lob
Lob und Komplimente sind Aufbauer in der Kommunikation während Beleidigungen und Provokationen Abbauer sind.
Die Gruppe der Guardian Angels lernt Komplimente zu machen. Das ist wichtig innerhalb der eigenen Gruppe, aber auch in der Kommunikation mit den anderen Schülern. Lob und Komplimente haben eine magische Wirkung. Sie verbessern sofort die Atmosphäre und das Wohlbefinden, selbst dann wenn sie nicht ganz ehrlich gemeint sind. Sie schaffen ein Klima des Vertrauens und Respekts und sie stärken das Selbstwertgefühl.
Komplimente machen ist für manche Schüler ein Problem. Sie sind es nicht gewohnt, welche zu bekommen und auch nicht, welche zu geben. Einige reagieren dabei verklemmt und eingeschüchtert. Daher sollte das Komplimente machen erst einmal in der Kleingruppe geübt werden.
Auftrag: Wie kann ich etwas Nettes sagen (Blickkontakt, freundlicher Gesichtsausdruck)?
Was kann ich Nettes sagen?
Das schreibt jeder für sich auf . Dann wird es gemeinsam in der Gruppe besprochen und eine Ideensammlung auf Flipchart geschrieben, die später im Plenum präsentiert und ausgehängt wird.
Erst dann kann das Vergeben von Komplimenten angewendet werden.
Das sollte am Abschluss des ersten Trainingstages geschehen.
Dazu wird die Innenkreis-Außenkreis Methode verwendet. Ein Innenkreis von Schülern sitzt auf Stühlen. Die anderen stehen oder sitzen ihrem Partner gegenüber. Die Schüler des Außenkreises machen denen im Innenkreis Komplimente. Diese hören nur zu und schweigen. Nach kurzer Zeit (30 Sek.) rückt der Außenkreis eine Position im Uhrzeigersinn weiter. Das geht so weiter, bis der Außenkreis wieder am Ausgangspunkt angelangt ist.
Dann wird getauscht. Die Außenkreisschüler setzen sich, werden zum Innenkreis und die ehemaligen Innenkreisschüler machen jetzt ihrerseits Komplimente.

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Auf dem Foto lässt sich die positive Stimmung erkennen, die dann auch den weiteren Verlauf des Trainings prägte.
Am Ende des Seminars wurde diese Übung fortgesetzt. Jeder Schüler erhielt ein Blatt Papier auf den Rücken geklebt und die anderen schrieben darauf Komplimente.

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Die Schüler erhielten dann einen Briefumschlag zum Aufbewahren der Komplimente mit dem Hinweis, sich diese von Zeit zu Zeit durchzulesen zur Stärkung des eigenen Selbstwertgefühles.

Das Versprechen der Guardian Angels
Analog zum Versprechen an die Schulgemeinschaft an der JES formulierten die Guardian Angels ihr eigenes Versprechen. Das sind Verhaltensregeln, die jeder einhalten sollte. Die Vertrauenslehrer waren dabei nicht anwesend. Sie machten nur die Vorgabe, dass alle Regeln einstimmig beschlossen sein müssen, damit sie auch von allen unterschrieben werden können. Die Unterschrift verpflichtet dann zum Einhalten des Versprechens. Ein Versprechen bricht man nicht, vor allem nicht als Guardian Angel, der sich ehrenvoll verhalten soll. Die Moderation wurde von den Vertrauensschülern und Schülerexperten übernommen, die zuvor auch die Gruppenarbeiten leiteten.
Nach längerem Ringen wurde dann das folgende Versprechen verfasst und unterschrieben.
Am Abend fand dann noch ein Feuerritual statt, welches das Versprechen bekräftigte und fest in der Erinnerung jedes Einzelnen verankerte. Bei einigen schwierigen Schüler wird das Versprechen in DIN A 5 Format auf den Tisch geklebt, damit sie es stets vor Augen haben.
In den Supervisionssitzungen wird dann evaluiert, ob sie sich daran gehalten haben. Bei groben Verstößen kann ihnen auch vorübergehend der Status des Guardian Angels entzogen werden. Diese Entscheidung wird von ihren Paten getroffen.

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Die Guardian Angels im Schulalltag

Die folgenden Aufgaben wurden von den Angel festgelegt:

 Aufgaben GA

Besondere Bedeutung kommt dabei dem Engagement in den Pausen zu.
Es wurden Teams gebildet die für Aufsichten in den einzelnen Bereichen von Schule und Höfen verantwortlich sind.
Fotos der Teams wurden in den Bereichen ausgehängt. Außerdem wurde ein Wochenplan für die Aufsichten erstellt. Die Angels erhalten eine Plakette mit dem Emblem. Wenn sie diese Plakette tragen, sind sie in der Verantwortung. Die Kontrolle übernehmen die Vertrauensschüler in ihren jeweiligen Teams. Einmal im Monat findet dann ein gemeinsames Treffen statt, in welchem Arbeit und Verhalten evaluiert werden.

Aufbau der Schülerpartizipation an der JES

1. Ausbildung zum Streitschlichter in den Quartalskursen der 7. Klasse.

2. Ausbildung zum Vertrauensschüler und Schülerexperten mit Beginn des 9. Schuljahres.

Schlichtungsgespräche werden nur von ausgewählten, kompetenten Vertrauensschülern geführt.
Auch Krisenkommission und Schülerrat bilden nur Vertrauensschüler.
Guardian Angels können Schüler aus allen Jahrgängen werden, sofern sie das Training mitgemacht haben, kompetente Vertrauensschüler sind, die das Anforderungsprofil der Guardian Angels erfüllen.
Das Training zum Guardian Angel ist offen für alle Schüler . Es wird jährlich durchgeführt.
Im nächsten Jahr haben wir dafür die komplette Bildungsstätte in Wünsdorf gebucht, so dass ca. 80 Schüler daran teilnehmen können. Das Training wird von den vier Vertrauenslehrern mit Unterstützung durch die Schülerexperten durchgeführt.
Jedes Jahr wird das Versprechen der Guardian Angels neu verfasst. Nur wer dieses Versprechen unterschreibt und sich daran hält, kann Guardian Angel werden und bleiben.
Am Ende des Schuljahres erhalten alle Schüler ein Zertifikat, in dem sie für ihre Arbeit ausgezeichnet werden.
Die Schüler der 10. Klasse erhalten bei ihrer Verabschiedung eine Urkunde und einen hölzernen Schutzengel, der sie in ihrem künftigen Leben begleiten soll.

Anlagen:
Die Gruppe der Guardian Angels

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Der positive Mensch:

1. Wer ist deiner Meinung nach ein positiver Mensch/ Schüler?
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2. Wie sieht ein positiver Mensch/Schüler aus?
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3. Welche Eigenschaften hat ein positiver Mensch/Schüler?
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4. Wie handelt ein positiver Mensch/Schüler? Konkret mit Beispielen?
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5. Welche Handlungen sollten alle Schüler unterlassen, wenn sie ein positives Image haben wollen?
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6. Welche Vorteile hat ein positives Image?
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7. Welche positiven Eigenschaften hast du selbst?
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8. Was zeichnest du in das gemeinsame Gruppenbild: die gute Gruppe.

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Guardian Angels für den Schülerbereich

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